Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie schnell aus einem etwas zu niedrigen Ölstand die Frage wird, welches Öl nun eigentlich in den Motor gehört? Genau an dieser Stelle passieren erstaunlich viele Fehler. Der Ölstand wird korrekt geprüft, anschließend wird jedoch irgendein angeblich passendes Motoröl eingefüllt oder gleich ein halber Liter nachgeschüttet. Dabei lässt sich das Nachfüllen ziemlich unkompliziert erledigen, wenn man sich ein paar Minuten Zeit nimmt.
Bevor die Flasche geöffnet wird, prüfe ich die Freigabe
Die Angabe 5W-30 oder 0W-20 auf dem Kanister reicht mir nicht aus. Zwei Öle mit derselben Viskositätsklasse können unterschiedliche Herstellerfreigaben besitzen. Gerade bei modernen Benzin- und Dieselmotoren mit Partikelfilter, Turbolader oder langen Wartungsintervallen spielt das eine größere Rolle, als man zunächst vermutet.
Welche Spezifikation verlangt wird, steht normalerweise in der Betriebsanleitung. Bei manchen Fahrzeugen findet man zusätzlich einen Hinweis im Motorraum oder kann die Freigabe anhand der Fahrzeugdaten ermitteln. Entscheidend ist die vom Fahrzeughersteller geforderte Spezifikation, nicht allein die große Viskositätsangabe auf der Vorderseite des Ölkanisters.
Wenn noch Öl im Motor vorhanden ist und lediglich etwas fehlt, verwende ich möglichst dasselbe Produkt wie beim letzten Ölwechsel. Ist das nicht bekannt, orientiere ich mich konsequent an der vorgeschriebenen Freigabe.
Wie viel Öl tatsächlich fehlt
Hier lohnt sich Zurückhaltung. Zwischen MIN und MAX am Ölmessstab liegt je nach Fahrzeug häufig ungefähr ein Liter, aber eben nicht immer. Deshalb sollte man diese Differenz nicht automatisch auf jedes Auto übertragen. Bei elektronischer Ölstandsmessung gelten ohnehin die Angaben des Herstellers.
Bevor überhaupt nachgefüllt wird, muss die Messung stimmen. Das Fahrzeug sollte auf möglichst waagerechtem Untergrund stehen. Je nach Hersteller erfolgt die Kontrolle bei kaltem Motor oder einige Minuten nach dem Abstellen des betriebswarmen Motors. Wer dabei unsicher ist, sollte die Anleitung des konkreten Fahrzeugs beachten. Eine ausführlichere Erklärung dazu, wie man den Motorölstand korrekt kontrolliert, hilft besonders dann, wenn der Messstab schwer abzulesen ist oder die elektronische Anzeige widersprüchlich erscheint.
Lieber zweimal nachfüllen als einmal zu viel
Wenn beispielsweise erkennbar Öl fehlt, kippe ich nicht sofort die vermeintlich benötigte Gesamtmenge hinein. Ich beginne mit einer kleinen Portion, typischerweise etwa 200 bis 300 ml. Danach bekommt das Öl etwas Zeit, in die Ölwanne zu laufen, bevor erneut gemessen wird.
Dieses Vorgehen dauert ein paar Minuten länger, verhindert aber einen unangenehmen Fehler: Zu viel Motoröl ist keineswegs besser als ein Ölstand knapp unter MAX. Eine Überfüllung kann unter anderem dazu führen, dass bewegliche Motorteile das Öl aufschäumen oder unerwünscht hoher Druck entsteht. Bei bestimmten Motoren können daraus weitere Probleme entstehen.
- Nur Öl mit passender Herstellerspezifikation verwenden.
- Zunächst eine kleine Menge nachfüllen.
- Öl kurz nach unten laufen lassen und erneut messen.
- Den Stand zwischen MIN und MAX halten.
- Bei unerwartet starkem Ölverlust nach der Ursache suchen.
Warum ich nicht unbedingt bis zur MAX-Markierung auffülle
Ein verbreiteter Gedanke lautet: Wenn schon nachgefüllt wird, dann gleich exakt bis MAX. Notwendig ist das nicht. Befindet sich der Ölstand sauber innerhalb des vorgesehenen Bereichs, ist das normalerweise völlig ausreichend. Ich lasse lieber etwas Abstand zur oberen Grenze, statt beim letzten Schluck aus dem Kanister versehentlich darüber hinauszukommen.
Beim klassischen Messstab ziehe ich ihn nach der Wartezeit heraus, wische ihn sauber, stecke ihn vollständig zurück und ziehe ihn anschließend erneut heraus. Erst diese Messung bewerte ich. Besonders bei sehr hellem, frischem Öl muss man genau hinsehen, weil der Ölfilm auf manchen Kunststoffmessstäben erstaunlich schlecht erkennbar ist.
Wenn ständig Öl fehlt, ist Nachfüllen keine Lösung
Ein kleiner Ölverbrauch über viele tausend Kilometer kann konstruktionsbedingt normal sein. Auffällig wird es, wenn sich das Verhalten plötzlich verändert. Mussten früher zwischen zwei Ölwechseln beispielsweise nur wenige hundert Milliliter ergänzt werden und verlangt der Motor nun regelmäßig nach Öl, würde ich nicht einfach einen Kanister im Kofferraum deponieren und die Sache abhaken.
Dann schaue ich nach Ölspuren unter dem Fahrzeug, feuchten Stellen im Motorraum und Veränderungen am Abgas. Auch eine undichte Ventildeckeldichtung oder andere Leckstellen können zunächst unspektakulär aussehen. Ein deutlich steigender Ölverbrauch gehört überprüft, bevor daraus ein teureres Problem entsteht.
Eine kleine Gewohnheit, die viel Ärger erspart
Nach dem Nachfüllen notiere ich mir gelegentlich Kilometerstand und eingefüllte Menge. Das wirkt zunächst übertrieben, liefert aber nach einigen Monaten ein deutlich besseres Bild als die Erinnerung daran, irgendwann einmal „etwas Öl“ eingefüllt zu haben.
Gerade bei einem älteren Fahrzeug verrät diese einfache Beobachtung viel über Veränderungen. Motoröl nachzufüllen ist schließlich keine besondere Kunst. Interessant ist vielmehr, warum und wie schnell der Pegel sinkt. Wer das im Blick behält, erkennt manche technische Auffälligkeit lange bevor eine Warnleuchte daraus ein dringendes Problem macht.
